Arnim Töpel



Weshalb ich mich zum Mediator habe ausbilden lassen.



Ich bin gelernter Rechtsanwalt, hatte aber offengestanden schon sehr früh Mühe, mich auf eine Seite zu schlagen – nämlich schlicht auf die, die mich bezahlt. Es gibt stets auch eine andere Sichtweise. Deshalb fand ich die Idee, Konflikte nicht streitig zu klären, auf Anhieb faszinierend. Als ich Ende der 90er erstmals von Mediation erfuhr, waren meine Prioritäten jedoch andere: ich arbeitete als Moderator im Südwestfunk und startete meine Bühnenkarriere als Solokünstler mit eigenen Programmen. Programme, die – nebenbei bemerkt – manchem nicht „scharf“ genug waren. Das war bewusst und ein gezielter Gegenentwurf zum Gängigen. Ich habe mich schon damals daran gestört, dass Satire zu oft mit Beleidigung verwechselt wird, und halte bis heute nichts davon, alles und jeden der Lächerlichkeit preiszugeben und von oben herab die Welt zu erklären (freilich ohne selbst Verantwortung zu tragen). Das macht die Welt nicht besser, sondern mindert letztlich nur den Respekt voreinander. So besehen haben meine Bühnenprogramme schon immer einen mediationsnahen Ansatz (wenn man so will, bereits im Titel: „Sex ist keine Lösung“, „rechtzeitig gehen“…).

Nun, nach 20 Jahren professioneller Bühnenerfahrung mit über 3000 Auftritten, acht Soloprogrammen und neun Büchern ist die Zeit gekommen, mich mit der Mediation einem weiteren, einem neuen Bereich zu widmen, der indes alles andere als fern liegt von meinen bisherigen Tätigkeiten und meiner um Ausgleich bemühten Grundhaltung. Nicht zuletzt habe ich zu Südwestfunkzeiten in über 1000 Radiosendungen („Acht Plus – Talk mit Töpel“, „Nachtradio“) das Gespräch mit Hörerinnen und Hörern wie auch Prominenten über das Leben mit all seinen Herausforderungen gesucht und dabei etwas entdeckt: ich höre gerne zu. Dass mich die Evangelische Kirche in Deutschland für einfühlsame Gesprächsführung in meinen Sendungen mit ihrem Medienpreis, dem Robert-Geisendörfer-Preis, auszeichnete, war eine ganz besondere Anerkennung, hat doch letztlich alles Künstlerische mit Kinder- und Jugendarbeit in meiner Kirchengemeinde begonnen. Auch das übrigens – manchen mag es überraschen – alles andere als ein konfliktfreier Raum.

Ja, das Leben lehrt früh, Konflikte gibt es immer und überall, kein Bereich ist davon verschont, niemand dagegen gefeit. Nicht selten machen sie uns das Leben schwer, selbst wenn sie Außenstehenden banal und unbedeutend erscheinen. Nicht alle Konflikte müssen eskalieren oder ewig gären. Wer den Weg der Mediation wählt, wendet sich nicht an ein Gericht, das entscheiden soll, er behält das Heft in der Hand, bleibt im gesamten Verfahren eigenverantwortlich und sucht selbst nach einer Klärung. Es wird gerade nicht ein Machtwort ersehnt, dementsprechend gibt es am Ende auch keinen Sieger, keinen Verlierer, keinen Triumph des einen über den anderen, keinen Groll des Unterlegenen, dem allenfalls bleibt, die nächste Instanz zu bemühen. Mediation hat zum Ziel, dauerhaft zu befrieden. Dabei sollen alle Beteiligten ihren Frieden machen können, indem sie gemeinsam einen Weg finden, mit dem alle leben können. Einvernehmlich, nicht gezwungenermaßen. Dieser Ansatz gefällt mir.

Der Mediator unterstützt dabei mit Struktur und Achtsamkeit. Seine Aufgabe ist es nicht zu entscheiden. Er weiß es nicht besser, serviert keinen Königsweg, zaubert keine Lösung aus dem Hut. Er hört vor allem zu und versucht, den Dingen auf den Grund zu gehen – allerdings nur in dem Maße wie nötig –, den Blick zu weiten und ins Gespräch zu bringen. Neutral, unabhängig. So kann man schlussendlich auf Lösungen kommen, an die vorher vielleicht nie jemand gedacht hat. Solche Herangehensweise birgt Chancen, ist jedoch beileibe nicht ohne Mühsal, sie fordert jeden Beteiligten, und eine Garantie für Erfolg gibt es nicht. Die gibt es bei Gericht allerdings ebenso wenig. Und ist es nicht einen Versuch wert, eine leidige Angelegenheit selbst aus der Welt zu schaffen und so eine Last dauerhaft loszuwerden?

Vielleicht sind diese Zeilen bereits für Sie Anstoß, einfach doch noch einmal die Initiative zu ergreifen und auf Ihren Kontrahenten zuzugehen. Wenn Sie den Mediator dann am Ende gar nicht brauchen, umso besser. Ich halte die Idee der einvernehmlichen Konfliktklärung grundsätzlich für überaus zeitgemäß und deren Verbreitung für gesellschaftlich geradezu notwendig. In diesen Tagen, in denen wir erfahren, dass sich überall „Gräben auftun“, jedes Thema taugt, sogleich eine existenzielle Auseinandersetzung auszulösen, erbitterte Konfrontation geradezu zwangsläufig scheint, selten weniger droht als die Spaltung: in Familien, Vereinen, Parteien, Gemeinden, ja, es heißt bisweilen fast schon genüsslich, unser ganzes Land, es sei gespalten, und das auch noch tief.

Tatsächlich? Ich bezweifele das. Der Mundartdichter Helmut Metzger hat so schön und treffend formuliert: „Die Menschen sind gut. Awwa die Leit!“ Wir wissen alle, Zusammenleben ist nie einfach, egal wo: im Privaten, bei der Arbeit, ja selbst mit dem zufälligen Sitznachbarn im ärztlichen Wartezimmer, vom Straßenverkehr ganz zu schweigen. Dieses Zusammenleben, zumal in einer freiheitlichen Demokratie, stellt eine ständige Herausforderung dar, aber haben wir nicht viel mehr gemeinsam, als wir manchmal wahrhaben wollen? Dazu gehört diese Vielzahl von kleinen und großen Konflikten, die uns allen das Leben schwer machen, und das, obwohl es uns gemessen an der Menschheitsgeschichte und der Welt unbestreitbar gut geht.

Entsprechend biete ich in Sachen Mediation zweierlei an: zum einen Vorträge, die allgemein für eine andere, einvernehmliche Konfliktklärung plädieren. Dieses Angebot richtet sich an jedwedes Gemeinwesen, an Vereine, Gemeinden, Teams, Firmen, Institutionen, Arbeits- und Interessengemeinschaften, alle kleinen und großen Gruppen kommen in Frage, in denen eine Verbesserung des Klimas wünschenswert bis nötig erscheint. Mir geht es um Denkanstöße, die vor allem eines deutlich machen sollen: Du bist nicht allein. Oder wie es mein Kommissar Günda formuliert, wenn er über die vielen Rätsel menschlichen Zusammenlebens sinniert: „Ihr seid wie isch. Bloß annaschda.“ In der Tat, ich bin überzeugt, Humor kann auch in dieser Hinsicht selten schaden. Nicht verletzend, nicht von oben herab, auf Kosten anderer, vielmehr den anderen ernst nehmend, sich selbst aber nicht zu sehr. Ein so erzeugtes Lachen, Lächeln, Schmunzeln mit-, nicht gegeneinander kann wohltun und ein positives Grundgefühl schaffen. Wie in meinen Programmen binde ich auch gerne ein weiteres Element ein, das Verhärtungen auf anderer Ebene zu begegnen vermag: Musik, Songs.

Zum anderen stehe ich im Einzelfall als Mediator zur Verfügung. Wenn Sie meine Unterstützung in dieser Funktion in Anspruch nehmen möchten, würde ich zunächst mit Ihnen einen Vorabtermin vereinbaren, um zu erfahren, worum es bei Ihnen geht, um Ihnen die Vorgehensweise samt Kosten zu erläutern und vor allem um einander kennenzulernen, denn, so banal es klingt: die Chemie muss stimmen. Das betrifft alle Seiten, auch ich behalte mir vor, eine Mediation nicht anzunehmen. Kein Konflikt ist wie der andere, Mediation ist ein Verfahren, das nicht nur auf Vertraulichkeit beruht, sondern nicht zuletzt auf Vertrauen.

In Sachen Kultur und Medien verfüge ich über langjährige Berufspraxis, auch dort bleiben Konflikte nicht aus: es gibt genügend Beispiele erfolgreicher Musiker, die sich außerhalb der Bühne keines Blickes würdigen und nur noch über ihre Anwälte kommunizieren. Und spätestens, wenn eine Band sich trennt – ein Schicksal, das den allerwenigsten erspart bleibt –, entstehen Konflikte, die die Beteiligten an ihre Grenzen bringen können. Mit dem Bereich der Kreativen bin ich vertraut, mit einer Spezialisierung im eigentlichen Sinne kann ich jedoch nicht aufwarten, um das klar zu sagen. Solche Fachkompetenz kann von Vorteil sein, muss es aber nicht. Bisweilen hilft der Blick von außen, den Horizont zu erweitern. Denn noch einmal: als Mediator weiß man es nicht besser. Umso wichtiger ist es, die Beteiligten ernst zu nehmen, aufmerksam zu bleiben und etwas einzubringen, was in unserer Zeit nicht selten unterschätzt wird: eine ausgleichende, einfühlsame Art, getragen von Persönlichkeit und Lebenserfahrung.

So freue ich mich, wenn ich wie und wo auch immer etwas zur Befriedung beitragen kann. Nicht umsonst fühle ich mich einem Hanns Dieter Hüsch viel näher als jedem politischen Kabarettisten. Wusste der doch: „Frieden fängt beim Frühstück an.“